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Police-Pilot: Das Messgerät zur Geschwindigkeitsüberprüfung

Was ist ein Police-Pilot-System? Und wie ermittelt es, ob eine Geschwindigkeitsüberschreitung vorliegt oder nicht?
Was ist ein Police-Pilot-System? Und wie ermittelt es, ob eine Geschwindigkeitsüberschreitung vorliegt oder nicht?

Um eine Geschwindigkeitsüberschreitung festzustellen, nutzt die Polizei nicht nur Blitzer. Auch Nachfahrsysteme können erfassen, wenn jemand das Tempolimit nicht berücksichtigt und auf einem Streckenabschnitt zu schnell unterwegs ist. Zu diesen Geräten gehört auch das Police-Pilot-System. Wie es in der Praxis zum Einsatz kommt und wie anfällig die Messungen für Fehler sind, erfahren Sie im nachfolgenden Text.

FAQ: Police-Pilot

Was ist ein sogenanntes Police-Pilot-System?

Bei einem Gerät vom Typ „Police-Pilot“ handelt es sich um ein Geschwindigkeitsmessgerät, das bei der Nachfahrmessung der Polizei Anwendung findet. Mehr dazu hier.

Wie funktioniert das Messgerät Police-Pilot?

Ähnlich wie feste und mobile Blitzer, kann ein Police-Pilot-System entweder an festen Standorten oder mobil verwendet werden. Es misst dann in beiden Fällen den Abstand zwischen dem (voraus)fahrenden Fahrzeug und dem Fahrzeug, in dem das Gerät verbaut ist.

Welche potenziellen Fehlerquellen gibt es?

Ist bspw. der Abstand zwischen Messfahrzeug und vorausfahrendem Fahrzeug nicht konstant, kann die Geschwindigkeitsüberprüfung falsche Werte liefern. An dieser Stelle erfahren Sie mehr.

Geschwindigkeitsmessung mit Police-Pilot: Funktionsweise erklärt

Wo wird ein Police-Pilot eingesetzt? Die Polizei kann das Gerät an festen Standorten oder mobil nutzen.
Wo wird ein Police-Pilot eingesetzt? Die Polizei kann das Gerät an festen Standorten oder mobil nutzen.

Das Police-Pilot-System – auch bekannt als ProViDa 2000 (Proof Video Data) – ist ein mobiles Videonachfahrsystem, welches im Straßenverkehr Einsatz findet.

Wie andere, vergleichbare Blitzer dient es der Polizei hauptsächlich zur Erfassung von Geschwindigkeits- und Abstandsverstößen im fließenden Verkehr, insbesondere auf Autobahnen und Bundesstraßen.

Police-Pilot-Messgeräte sind im Gegensatz zu stationären Blitzern aber nicht nur an einen festen Standort gebunden, sondern lassen sich auch jederzeit mobil einsetzen. Wie genau funktioniert das System aber jeweils?

  • Stationäre Geschwindigkeitsmessung: Hier stellt die Polizei ihren zivilen Polizeiwagen ab und führt die Messungen an einem festen Standort durch. Die Strecke legen die Beamten vorab fest und richten das System anschließend so aus, dass die Kamera alles problemlos erfassen kann.
  • Mobile Geschwindigkeitsmessung: In diesem Fall fährt die Polizei in der Regel hinter Fahrzeugen her, um deren Geschwindigkeit mittels einer Nachfahrmessung zu prüfen. Dabei haben die Beamten auch die Möglichkeit, nicht nur kontinuierlich zu messen, sondern auch eine bestimmte Strecke einzuprogrammieren. Dann beginnt und beendet das Messgerät seine Messungen automatisch, sobald der Anfang bzw. das Ende des jeweiligen Streckenabschnitts erreicht ist.

Wichtig: Die meisten Police-Pilot-Modelle setzen voraus, dass stets ein gleichbleibender Abstand zwischen den Fahrzeugen besteht – andernfalls verfälschen Schwankungen mitunter das Messergebnis. Allerdings lassen sich die Geräte auch per Hand bedienen und bestimmen dann mithilfe einer Weg-Zeit-Berechnung die Geschwindigkeit des entsprechenden Fahrzeugs in km/h. Das lässt auch Abstandsschwankungen zu.

Sind beim Police-Pilot-System Messfehler möglich?

Erwischt vom Police-Pilot: Gegen den Bußgeldbescheid können Sie auch Einspruch einlegen.
Erwischt vom Police-Pilot: Gegen den Bußgeldbescheid können Sie auch Einspruch einlegen.

Selbst die präzisesten Messgeräte und Blitzer können keine Garantie dafür geben, dass sie uneingeschränkt fehlerfrei funktionieren. Auch beim Police-Pilot-System lassen sich Messfehler also nicht hundertprozentig vermeiden.

Zu den häufigsten Fehlerursachen zählen in der Praxis unter anderem die folgenden:

  1. Unzureichende bzw. fehlende Eichung: Wird das Tachometer des Geräts fehlerhaft oder nicht in regelmäßigen Abständen geeicht (in der Regel einmal jährlich), kann das die Messergebnisse beeinträchtigen.
  2. Länge der Messstrecke zu kurz: Für eine valide Messung muss die jeweilige Strecke lang genug sein, sonst lässt sich die Geschwindigkeit nicht zuverlässig bestimmen.
  3. Falsche Benutzung: Falls Polizeibeamte noch nicht mit dem Police-Pilot-System vertraut sind bzw. nicht ausreichend darin geschult worden sind, können sich bei der manuellen Bedienung des Geräts ebenfalls Fehlmessungen einschleichen (z. B. durch Reaktionsfehler des Beamten beim Starten oder Beenden einer Messung).

Wichtig: Grundsätzlich wird Ihnen bei jeder Geschwindigkeitsmessung ein gewisser Toleranzabzug gewährt. Dieser beläuft sich bei bis zu 100 km/h auf 5 km/h und bei über 100 km/h auf 5 % der gemessenen Geschwindigkeit.

Falls Sie mit dem Messergebnis nicht einverstanden sind, weil bspw. die Toleranz nicht beachtet wurde oder Sie Messfehler vermuten, können Sie auch Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen. Es empfiehlt sich, sich dann für Ihr weiteres Vorgehen von einem Anwalt für Verkehrsrecht beraten zu lassen.

Video: Wo darf eigentlich geblitzt werden?

Wo Blitzer stehen dürfen, erfahren Sie im Video.
Wo Blitzer stehen dürfen, erfahren Sie im Video.

Über den Autor

Sascha Münch (Rechtsanwalt)
Sascha Münch

Nach dem Studium an der Universität Bremen absolvierte Sascha Münch sein Referendariat am OLG Celle. 2013 erhielt er die Zulassung zum Rechtsanwalt und 2019 folgte die Bestellung zum Notar (seit 2021 Notar a. D.). Auf sos-verkehrsrecht.de befasst er sich u. a. mit den Bereichen Bußgeldverfahren und Einsprüchen.

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