RATGEBER

Anhalteweg berechnen: So geht’s!

Reicht der Anhalteweg, um noch vor der Ampel zum Stehen zu kommen?
Reicht der Anhalteweg, um noch vor der Ampel zum Stehen zu kommen?

In § 3 Abs. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) ist unter anderem zu lesen: „Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.” Woher wissen Sie aber, dass die Strecke, die Sie überblicken können, tatsächlich zum Anhalten ausreicht? Dazu müssen Sie den Anhaltewege Ihres Fahrzeugs berechnen, welcher vor allem von dessen Geschwindigkeit abhängt. Wie das geht, erklärt der folgende Ratgeber.

FAQ: Anhalteweg

Was ist der Anhalteweg?

Der Anhalteweg beschreibt die Strecke, die Sie zwischen dem Erkennen eines Anhaltegrunds (z. B. ein Hindernis oder eine rote Ampel) bis zum tatsächlichen Stillstand des Fahrzeugs zurücklegen. Er spielt etwa auch bei der Einschätzung des erforderlichen Abstands zu anderen Fahrzeugen eine Rolle.

Mit Hilfe welcher Faustformel wird der Anhalteweg berechnet?

Der Anhalteweg wird mittels einer einfachen Addition ermittelt: Bremsweg + Reaktionsweg = Anhalteweg. Für den Bremsweg und den Reaktionsweg existieren wiederum eigene Faustformeln, die die Geschwindigkeit des Fahrzeugs berücksichtigen. Wie diese Berechnung funktioniert, erfahren Sie hier.

Wie verändert sich der Anhalteweg bei einer Gefahrenbremsung?

Anders als bei einer normalen Bremsung wird bei einer Gefahrenbremsung das Bremspedal abrupt bis zum Anschlag durchgedrückt, um einen potentiellen Unfall zu vermeiden. Als Faustformel gilt hier, dass sich der Bremsweg dadurch halbiert, während der Reaktionsweg unverändert bleibt. Im Ergebnis verkürzt sich der gesamte Anhalteweg.

Wie lang ist der Anhalteweg? Eine einfache Formel verrät die Antwort

Der Anhalteweg ergibt sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg.
Der Anhalteweg ergibt sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg.

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit dem Auto unterwegs und erblicken plötzlich ein Stauende vor sich. Natürlich treten Sie auf die Bremse, um nicht auf die stehenden Fahrzeuge aufzufahren. Doch egal wie gut Ihre Bremse auch ist, es lässt sich nicht verhindern, dass Ihr Auto noch einige Meter weiter rollt, ehe es tatsächlich zum Stehen kommt. Die Strecke, die Sie dabei zurücklegen, wird als Anhalteweg bezeichnet. Er ergibt sich aus zwei Variablen:

  • dem Reaktionsweg – das ist der Weg, den Sie in den etwa 1 bis 2 Sekunden zurücklegen, die Sie brauchen, um zu reagieren und den Bremsvorgang einzuleiten –
  • und dem Bremsweg – das ist der Weg, den Ihr Fahrzeug vom Betätigen der Bremse bis zum Stillstand benötigt.

Somit lässt sich der Anhalteweg mittels einer simplen Addition berechnen:

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg

Wie ermitteln Sie nun aber den Reaktionsweg und den Bremsweg? Das gestaltet sich schon etwas komplizierter, denn in der Praxis spielen hier sehr viele Variablen eine Rolle. So kann sich zum Beispiel Ihre aktuelle Tagesform auf Ihre Reaktionszeit und damit auch den Reaktionsweg auswirken. Und der Bremsweg hängt unter anderem vom Gewicht Ihres Fahrzeugs, dem Zustand Ihrer Bremsen und der Beschaffenheit der Fahrbahn ab.

Eine Formel, die alle relevanten Variablen berücksichtigt, wäre für den alltäglichen Gebrauch viel zu umständlich, darum wird sich hier vereinfachter Faustformeln bedient, für die nur die Geschwindigkeit eine Rolle spielt:

Reaktionsweg = (Geschwindigkeit : 10) x 3 [in Metern]
Bremsweg = (Geschwindigkeit : 10)² [in Metern]

Bei einer Gefahrenbremsung halbiert sich der Bremsweg. Die Faustformel hierfür lautet:

Bremsweg = (Geschwindigkeit : 10)² : 2 [in Metern]

Beispielrechnung: Der Anhalteweg bei 50 km/h

Rechnen wir das Ganze an einem Beispiel durch. Dafür gehen wir davon aus, dass Sie mit einem Pkw 50 km/h fahren und 1 Sekunde Reaktionszeit benötigen. Welchen Anhalteweg legen Sie unter diesen Umständen also bei einer Bremsung zurück?

Ermitteln wir zuerst den Reaktionsweg:

Reaktionsweg = 50 km/h : 10) x 3 [in Metern]
Reaktionsweg = 15 m

Für den Bremsweg ergibt sich:

Bremsweg = (50 km/h : 10)² [in Metern]
Bremsweg = 25 m

Ihr Anhalteweg wiederum wird durch die Addition von Reaktions- und Bremsweg berechnet:

Anhalteweg = 15 m + 25 m
Anhalteweg = 40 m

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h benötigen Sie also etwa 40 Meter, um schließlich zum Stehen zu kommen.

Führen Sie eine Gefahrenbremsung durch, müssen Sie den Bremsweg anders berechnen:

Bremsweg = (50 km/h : 10)² : 2 [in Metern]
Bremsweg = 12,5 m

Der Reaktionsweg beträgt weiterhin 15 m, womit sich für den Anhalteweg eine Strecke von 27,5 m ergibt.

Achtung bei schlechter Sicht und schmalen Straßen: Der Anhalteweg wird kürzer!

Fahren Sie stets nur so schnell, dass der Anhalteweg innerhalb der für Sie überschaubaren Strecke liegt.
Fahren Sie stets nur so schnell, dass der Anhalteweg innerhalb der für Sie überschaubaren Strecke liegt.

Je schneller Sie fahren, umso länger ist Ihr benötigter Anhalteweg. Im Umkehrschluss sollten Sie daraus die Konsequenz ziehen: Steht Ihnen nur ein kurzer Anhalteweg zur Verfügung, sollten Sie Ihre Geschwindigkeit entsprechend reduzieren.

Ihr Anhalteweg kann immer nur maximal so lang sein wie die Strecke, die Sie einsehen können. Darum müssen Sie bei eingeschränkten Sichtverhältnissen besonders langsam fahren. Sind Sie auf einer schmalen Straße unterwegs, halbiert sich Ihr Anhalteweg sogar. Denn immerhin müssen nicht nur Sie im Notfall rechtzeitig zum Stehen kommen, sondern auch eventueller Gegenverkehr. Haben Sie beispielsweise auf einer schmalen Straße nur 50 m Sichtweite, sollte Ihr Anhalteweg daher nur 25 m betragen.

Bildnachweise: fotolia.com/mrivserg, istockphoto.com/Evgeny Sergeev, depositphotos.com/trybex

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